Leseandacht für Sonntag, den 27.12.2020 (1. Sonntag nach Weihnachten)

Wir sahen seine Herrlichkeit,
eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater,
voller Gnade und Wahrheit.
(Johannes 1, 14b)

 

Mit diesem Wochenspruch aus dem 1. Kapitel des Johannesevangeliums sende ich Ihnen ganz herzliche Weihnachtsgrüße von der Evangelischen Kirchengemeinde Prüm.
Jesus ist geboren, der Retter, der Heiland. Aber was bedeutet das? Was hat es mit diesem Kind auf sich? Und was hat das mit mir zu tun? Darum soll es heute gehen, darüber möchte ich mit Ihnen nachdenken im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Psalm 71
HERR, ich traue auf dich,

lass mich nimmermehr zuschanden werden.
Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus,
neige deine Ohren zu mir und hilf mir!
Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann,
der du zugesagt hast, mir zu helfen;
denn du bist mein Fels und meine Burg.
Gott, sei nicht ferne von mir;
mein Gott, eile, mir zu helfen!
Ich aber will immer harren
und mehren all deinen Ruhm.
Mein Mund soll verkündigen deine Gerechtigkeit,
täglich deine Wohltaten, die ich nicht zählen kann.
Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN;
ich preise deine Gerechtigkeit allein.
Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt,
und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.
Auch verlass mich nicht, Gott, im Alter,
wenn ich grau werde,
bis ich deine Macht verkündige Kindeskindern
und deine Kraft allen, die noch kommen sollen.

Gebet
Guter Gott,

als kleines Kind bist du in unsere Welt gekommen,
um sie zu retten durch dein Licht und dein Heil.
Aber machmal fällt es uns schwer,
das zu begreifen,
das zu verstehen,
das zu glauben.
Dann Gott, erbarm dich über uns,
schick uns deinen heiligen Geist
und lass uns deine Nähe spüren.
Amen.

Predigt
Liebe Schwestern und Brüder!

Wahrscheinlich haben Sie alle noch die Weihnachtsgeschichte im Ohr: Jesus wird in Bethlehem geboren, die Engel schicken die Hirten mit der Botschaft „Euch ist heute der Heiland geboren“ zum Stall. Sie finden Jesus, so wie die Engel es ihnen gesagt haben. Gott lobend ziehen sie wieder nach Hause. Auch Maria und Josef machen sich wieder auf den Heimweg (der Evangelist Lukas kennt die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, dem Kindermord des Herodes und die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten nicht). Doch bevor sie wieder nach Nazareth gehen, machen sie einen Abstecher nach Jerusalem zum Tempel, um das vorgeschriebene Opfer für den Erstgeborenen darzubringen. Und so wie die Hirten plötzlich im Stall aufgetaucht sind, so unerwartet begegnen Maria und Joseph im Tempel einem Propheten:

Ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon;
und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels,
und der Heilige Geist war auf ihm.
Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen,
er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen.
Und er kam vom Geist geführt in den Tempel.
(Lukas 2, 25-27)

Offenbar hat Simeon einen guten Draht zu Gott: er war gerecht und gottesfürchtig, erzählt Lukas, und Gottes Geist war auf ihm. Und der hat ihm verraten, dass er den Christus, den Messias, den Trost Israels noch mit eigenen Augen sehen würde. Und so wartet Simeon.
Wie lange er wohl schon wartet?
Was er sich wohl erhofft? Wie stellt er sich den Trost vor?
Seine gute Verbindung zu Gott führt ihn jedenfalls in den Tempel und dort läuft er einem Paar in die Arme, dass seinen frisch geborenen Sohn in den Tempel bringt:

Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten,
da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,
wie du gesagt hast;
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern,
ein Licht zur Erleuchtung der Heiden
und zum Preis deines Volkes Israel.
(Lukas 2, 27-32)

Es ist Gottes Geist, der Simeon in den Tempel führt, es ist Gott selbst, der diese Begegnung initiiert.
Gott selbst sorgt dafür, dass Menschen Jesus begegnen und erkennen, wer dieses Kind in Wirklichkeit ist: der Heiland, der Gottes Heil bringt. Nicht nur zu Israel, sondern zu allen Völkern. Jesus ist das Licht, dass die Heidenvölker erleuchtet, das sie Gott erkennen und Israel loben und preisen lässt. Licht und Heil in einer dunklen, heillosen Welt – das ist mit Sicherheit etwas, was ich mir heute auch noch ersehne, worauf ich mit Simeon sehnsüchtig warte. Sichtbares, (an)fassbares, erlebbares Heil. Und daraus resultierend dann das Erkennen und nicht nur Erahnen, wer dieser Jesus ist – für alle Menschen!
Simeon nimmt Jesus auf seine Arme und erkennt, dass er das Heil in Händen hält. Nun kann er in Frieden sterben, weil er weiß: sein Warten wurde nicht enttäuscht. Inmitten der alten Strukturen erschafft Gott die Möglichkeit zu etwas Neuem.

Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde.
(Lukas 2, 33)

Das, was Simeon in Jesus sieht, quasi durch das Baby hindurch, das kann man nicht mit menschlichen Augen erkennen. Es sind Gottes Augen, die ihm diese Sicht ermöglichen, der Heilige Geist, der es ihn erkennen lässt. Ohne Gottes Geist sieht man ein ganz normales Baby. Und Maria und Josef? Sie stehen mal wieder etwas verdattert da und wundern sich, so wie sich in der Weihnachtsgeschichte die Leute über das wundern, was die Hirten erzählen.

Und Simeon segnete sie und sprach zu seiner Mutter:
Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen,
und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird
– und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –,
damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden.
(Lukas 2, 34-35)

An Jesus werden sich die Geister scheiden, prophezeit Simeon. Die einen werden erkennen, wer Jesus ist: der Messias, Gottes Gesalbter, der Heil und Frieden in eine heillose Welt voller Dunkelheiten bringt. Die anderen werden Jesus widersprechen, ihn verfolgen, ihn schließlich ans Kreuz bringen und so ein Schwert durch Marias Seele bohren. Simeons Weissagung erinnert mich an die Krippenbilder, in denen der Künstler/die Künstlerin ein Kreuz angedeutet haben, um zu zeigen: dieses Kind ist der Gekreuzigte. Und gerade indem Jesus das Kreuz auf sich nimmt, erfüllt sich das Heil, das er zu den Menschen bringen will. Denn nun dürfen wir gewiß sein: Gott verlässt uns auch in den tiefsten Tiefen unseres Lebens nicht, weil Jesus sie am Kreuz mit uns erlebt hat. Der Gesandte Gottes wird sich Leid und Tod nicht entziehen und gerade so ist er der Immanuel, der Gott-mit-uns. Allein das kann uns Trost und Ermutigung schenken, doch um wie viel mehr Hoffnung gibt es uns, wenn wir gleichzeitig darum wissen, dass der Tod nicht das letzte Wort über Jesus hat, sondern Gottes Wort, das ihn auferstehen lässt.
Dann kommt noch jemand dazu:

Und es war eine Prophetin, Hanna,
eine Tochter Phanuels, aus dem Stamm Asser.
Sie war hochbetagt.
Nach ihrer Jungfrauenschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt
und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren;
die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.
(Lukas 2, 36-37)

Auch von Hanna berichtet Lukas, dass sie eine fromme, gottesfürchtige Frau ist. Sie muss schon eine lange Zeit Witwe sein. Diese Zeit hat sie dazu genutzt, um Gott zu dienen. Und auch sie erkennt, genau wie Simeon, in dem Kind den Erlöser:

Hanna trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott
und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
(Lukas 2, 38)

Simeon und Hanna: zwei, die auf den Erlöser, den Heiland warten, der Israel und den Völkern Trost und Hoffnung bringt. In der Begegnung mit dem Kind aus der Krippe erkennen sie den Gesandten Gottes, der all dies bringen wird. Nicht, weil Jesus irgendwie anders aussieht als andere Babies, sondern weil Gott ihnen die Augen dafür geöffnet hat. Und bei Licht besehen verbindet mich mit Hanna und Simeon mehr, als die rund 2000 Jahre, die zwischen uns liegen, vermuten lässt: Auch ich warte. Ich warte darauf, dass das Heil, das mit Jesus in die Welt kam, sich vollendet. Dass Tod und Leid ein Ende haben werden und Gott alle Tränen von unseren Augen abwischen wird. Und auch ich sehe, genau wie Simeon und Hanna, in Jesus den Gesandten Gottes, der uns dieses Heil bringt. Und so kann ich – hoffentlich – wie Simeon in Frieden sterben, weil ich mir ganz sicher bin: Gott wird vollenden, was er damals in Jesus begonnen hat. Ich werde es mit meinen eigenen Augen sehen und was auch immer mir noch auf dem Weg dahin begegnen wird: kein Unheil, keine Krankheit, ja, nicht einmal der Tod wird mich trennen können von Gottes Liebe.

Amen

Gebet
Gott, unser Vater,

wir danken dir, dass du Jesus zu uns geschickt hast,
um uns Licht und Hoffnung zu geben,
damit wir Frieden und Heil finden.

Wir bitten dich für alle, die warten:
auf das Ende der Pandemie,
auf Genesung,
auf ein Kind,
auf eine Veränderung.
Schenke ihnen Geduld und lass sie die Hoffnung nicht aufgeben.

Wir bitten dich für alle, denen es schwer fällt,
im Kind in der Krippe den Retter der Welt zu sehen.
Schenke ihnen deinen Geist,
der sie darauf vertrauen lässt,
dass du es gut mit uns meinst.

Wir bitten dich für alle,
die bald sterben werden:
Schenke ihnen Frieden
mit sich selbst,
mit ihren Nächsten,
mit dir.

In einem Moment der Stille bringen wir noch unsere ganz persönlichen Bitten vor dich:
für diese Welt,
für Menschen, die wir lieben,
für Menschen, die deine Hilfe brauchen,
für uns
und wir bitten dich: Höre unser Gebet!

Miteinander und füreinander dürfen wir so beten, wie Jesus es uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen

Und nun bleiben Sie gut behütet unter dem Segen unseres Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen

Ihnen allen einen schönen Sonntag und einen guten Jahreswechsel!

Ihre Vertretungspfarrerin Sonja Mitze

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